Worum handelt es sich bei der Sgraffito-Stucktechnik?

Eine beliebte und häufig angewandte Stucktechnik ist die sogenannte Sgraffito-Technik. Das Wort stammt aus dem Italienschen und leitet sich von dem Verb "sgraffiare" bzw. "graffiare" ab, worunter man das "Kratzen" versteht. Mit dieser Dekorationstechnik können Wandflächen bearbeitet werden. Dazu werden zunächst Putzschichten in unterschiedlichen Farben auf der Wand aufgebracht. Anschließend werden durch partielles Abkratzen der obersten Putzschicht die darunterliegenden Schichten sichtbar. Auf diese Weise entstehen Farbkontraste und es können verschiedene Wandbilder erzeugt werden. Besonders weit verbreitet war diese Stucktechnik im 16. Jahrhundert in Böhmen und Italien. Aber auch heute noch kommt sie sehr oft zum Einsatz. Neben dieser klassischen Stucktechnik bezeichnet Sgraffito jedoch auch noch weitere Kratztechniken, die mit anderen Formen der Farbauftragung angewendet werden, wie z.B. bei der Aquarellmalerei.

Die Anwendung der Sgraffito-Technik ist nicht sonderlich schwer, aber erfordert das richtige Timing, da der Stuckateur fertig sein muss, ehe die oberen Putzschichten abgebunden sind. Dadurch ist die Größe der in einem Arbeitsgang zu bearbeitenden Fläche begrenzt, so dass eine große Gesamtfläche in mehreren Arbeitsabschnitten bearbeitet werden muss. Kompetente Stuckateure, wie die Meister Yakup Hengstler GmbH in Stuttgart, sind mit verschiedenen Stucktechniken vertraut und führen diese auch fachgerecht aus.
Zunächst wird ein dünnflüssiger und grober Spritzbewurf erstellt, über den anschließend eine Ausgleichschicht aus scharfem Sand und Brei-Kalk im richtigen Mischungsverhältnis angebracht und mit der Richtlatte abgezogen wird. Im Anschluss folgt zuerst eine Mörtelschicht, die maximal einen halben cm dick ist und mit kalk- und lichtechten Farbpigmenten zuvor eingefärbt wurde und danach eine weitere, ungefärbte bzw. naturbelassene Mörtelschicht. Alternativ kann hier auch eine einfache Kalktünche verwendet werden, die zwei- oder dreilagig mit Hilfe einer Bürste aufgetragen wird; bei Bedarf kann die Kalktünche auch noch abgefilzt oder mit einer Glättscheibe abgezogen werden. So lange der Putz noch weich ist, kann der Stuckateur nun nach Belieben bzw. nach gewünschter Optik verschiedene Linien und Flächen mit Hilfe von geschmiedeten Kratzeisen oder unterschiedlich geformten Schlingen reinschneiden, kratzen oder einritzen, wodurch die darunterliegende gefärbte Putzschicht sichtbar wird. Wenn allerdings ein mehrfarbiges Design gewünscht ist, gestaltet sich die Anwendung der Sgraffiti-Technik etwas schwieriger und muss vom Stuckateur genau im Voraus geplant werden. Denn hierbei wird das Bild genau anderes herum aufgebaut, sodass erst die Details angelegt werden und die Umrisse gegen Ende erkennbar werden. Diese umgekehrte Technik zeichnet sich dadurch aus, dass sie besonders lang haltbar und witterungsbeständig ist.
Besonders gefragt war die Sgraffito-Technik in Italien zur Zeit der Renaissance und schwappte im Laufe des 16. Jahrhunderts auch nach Deutschland über. Aber auch schon davor im 13. Jahrhundert war der Kratzputz hier als Volkskunst präsent. Speziell in Bayern sieht man sie vielerorts an alten Fassaden aber auch im Raum Stuttgart. Dabei wurden meist Heimatmotive erstellt.

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